Neil Young – Archives Vol. 1, Sinn oder Unsinn?

Seit ein paar Wochen steht nun fest: Am 29. Mai 2009 erscheint in Deutschland der erste Teil der Archives Reihe von Neil Young, der die Jahre 1963 – 1972 umspannen wird. Über 20 Jahre musste man darauf warten. Hätte man in dieser Zeit alle paar Jahre die jeweils gerade dafür vorhandenen Ideen und vorgesehenen Tracks einfach gepresst und herausgebracht, man hätte nun wohl schon ca. 10 völlig unterschiedliche Versionen der Archives Vol. 1 bei sich zuhause stehen!

War in den letzten Jahren im Zuge der Veröffentlichung zumeist von einer Raritätensammlung die Rede, verdichtete sich in den letzten Wochen die Tatsache, dass es sich hierbei um das Gesamtwerk, um eine Biographie in audiovisueller Form handeln wird. So sind zwar Raritäten und ungehörtes (und ungesehenes) beinhaltet, aber eben auch fast vollständig, bisher veröffentlichte Alben, die schon Millionen Abnehmer gefunden haben. Die große Sammlung an Outtakes, alternativen Versionen, etc. ist leider nicht der Sinn der Archives-Reihe. Das Ergebnis mit dem man sich als Fan nun zufrieden geben muss, hält den Erwartungen so leider nicht stand. Nur diejenigen unter uns, die einen Blu-ray Player besitzen, kommen überhaupt in den vollen Genuss des gesamten Package, wobei auch das wiederum in einem sehr entscheidenen Punkt beschränkt ist. Dazu später mehr. Erscheinen wird das Set zwar auch auf DVD und in einer reinen CD-Version, das Augenmerk liegt allerdings nur auf der Blu-ray Variante (die DVD-Version erscheint hierbei besonders sinnlos).

Durch die Blu-ray Version hat man die Möglichkeit anhand einer Timeline das gesamte Schaffen von Neil Young in den Jahren 1963 – 1972 zu überblicken. Zahlreiche Filme und Auftritte sind enthalten, sowie unzählige Schriftstücke, Songtexte, Bilder, etc., die man betrachten kann, während man gleichzeitig die Songs abspielt. Blu-ray sei Dank. Wenn man nicht die dafür vorgesehene technische Ausrüstung besitzt, hat man Pech gehabt.

Verantwortlich dafür sind nicht etwa Verantwortliche einer Plattenfirma sondern Neil Young selbst. Erst das Format Blu-ray an sich hat ihn überhaupt dazu bewogen, das Archives-Material nun endlich zu freizugeben. So gab es bei Ankündigung noch den Plan ausschließlich auf diesem Format zu veröffentlichen! Das man nach ersten verherrenden Reaktionen das Ganze noch einmal überdachte, führte leider zu keinem besseren Ergebnis. Derjenige, der sich nun die Archives Reihe (auch gezwungenermaßen) auf DVD oder reinem CD-Format besorgen möchte, wird genau dafür bestraft.

Die Blu-ray Version ermöglicht es einem dann aber wiederum nicht, die Tracks z. B. in iTunes zu laden, sie im Auto zu hören oder sie eben im CD-Player abzuspielen. Es gibt leider keine angebotene Lösung wie ein Set bestehend aus Blu-ray/DVD und CD, sondern nur entweder das Eine oder das Andere. In einem der zahlreichen Diskussionen über das Set hieß es zwar unter anderem, dass für Käufer der Blu-ray Variante die Möglichkeit bestehen würde, alle vorhandenen Audio Tracks als MP3 Files herunterladen zu können, aber wie und ob das nun tatsächlich der Fall sein wird, bleibt erst einmal offen. Gilt das dann auch für Vol. 2, etc. ? So ist auch die Blu-ray Variante mit Einschränkungen verbunden.

Neil Young war und ist weiterhin ein Sturkopf. So wie Stanley Kubrick Zeit seines Lebens die vollständige Kontrolle über sein Werk hatte, agiert auch Young über seines. Die Fans müssen nun damit leben. Und was bleibt einem anderes übrig als es einfach zu akzeptieren. Es sind seine Songs und sein persönliches Werk ist es, welches hier audiovisuell zur Schau gestellt wird. Daran teilhaben werde ich wohl in diesem Fall nur begrenzt. Es gibt nur wenige Raritäten in diesem Set, die man als Fan wirklich noch nicht kennt und so bekommt das Wort Rarität im Zusammenhang mit der Anzahl dieser einen ganz speziellen Sinn.

Die Frage stellt sich hier tatsächlich, für welche Zielgruppe die Archives Vol. 1 eigentlich gedacht sind. Als Fan hat man schließlich das meiste darauf enthaltene Material bereits und um Leute an das Werk von Neil Young heranzuführen ist das Set egal in welcher Ausführung schlichtweg völlig überteuert. Der Preis der Blu-ray Variante liegt bei knapp 240 Euro, für die DVD Version Zahlt man ca. 180 Euro und für die CD Archives immer noch 130 Euro.

Das einem Young den Zugang zu seinem Werk dieses Mal so erschwert, bleibt rätselhaft. Eine Lösung aus einer Mischung mit Audio CD´s, DVD´s und Blu-ray´s wäre die beste Lösung gewesen. Diese Lösung wurde einem als Fan auch einige Zeit lang verkauft. So war in div. offiziellen Trailern immer von 8 CD´s und 2 DVD´s die Rede. Das ist mittlerweile schon längst wieder untergegangen.

Um die Starrheit der Veröffentlichung ein wenig aufzuheben, gibt es die Möglichkeit die Discs aus den verschiedenen Formaten einzeln zu kaufen. Der Charme des gesamten Boxsets mitsamt der tollen Verpackung und dem nur bei der Blu-ray Variante enthaltenem Buch verfällt hierbei. Hier stückelt man halt zusammen, bis man das hat, was man möchte.

Neil Young hat dieses Mal leider am Fan vorbei produziert. Herz seines Schaffens ist die Musik und der Zugang zu dieser wird einem dabei wirklich erschwert. Das am Ende gerade derjenige am meisten Abstriche machen muss, der sich gerade auf sie beruft, bleibt unverständlich. In Sachen Marketing ist die Archives Reihe ein Rohrkrepierer. Sie wird in Zukunft immer als Beispiel herangezogen werden, wie man es gerade nicht machen sollte.

Neil Young hat mir viel gegeben. Ich ihm auch. Alle seine Veröffentlichungen darf ich mein eigen nennen. Dieses Mal werden wir leider nicht zusammenkommen.

Leider gibt es von offizieller Seite und zudem von vielen etablierten Fan-Foren und Websites wenig Verständnis für die Bedenken der Fans. Auf der populären Seite www.thrashersweat.org ist eine Lobhudelei im Gange, die man nicht nachvollziehen kann. Hier gibt es mittlerweile hunderte Einträge von Fans, die sich unverstanden fühlen, da ihnen der simple Zugang zur Musik der Archives verwehrt bleibt. Ernst genommen werden sie nicht. Hier wird blind vertraut und der Lichtgestalt gefolgt.

Das Projekt, von dem nun seit über 20 Jahren die Rede ist, hatte seinen Reiz vor allem dadurch, dass es nie erschienen ist. Jetzt, wo die Veröffentlichung tatsächlich kurz bevor steht, können die Erwartungen nicht mehr erfüllt werden. Zuviel wurde darüber geschrieben und diskutiert. In all den Jahren veröffentlichte Neil Young ganz regulär dutzende Alben, mal mehr, mal weniger gute. Schauen wir in die Zukunft und lassen wir uns lieber von noch folgendem Material vom Altmeister und seinen immer noch einzigartigen Konzerten begeistern. Für den Blick zurück höre ich zumindest einfach wieder “After The Goldrush” oder “Harvest”.

Für die Kaufwütigen unter uns hier noch folgende Links:

Archives Vol. 1 – Blu-ray bei Amazon.de und bei Amazon.co.uk

Archives Vol. 1 – CD bei Amazon.de und bei Amazon.co.uk

Infos zur Archives gibt es u. a. auf der Seite von Thrasherwheat.org und auf der offiziellen Seite von Reprise Records

Und hier noch der offizielle, aktuelle Trailer der Archives Reihe:

Was haltet Ihr von Archives Vol. 1? Nehmt an der Umfrage teil oder postet einen Kommentar!

Eine Antwort auf diesen Artikel.

  1. Ja Neil Young auf blu ray das ist doch das höhste der gefühle

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